Geburtsberichte und Videos

Geburtsberichte

Geburt unseres Sohnes (2013)

Für alle LeserInnen als Anmerkung: Statt des Begriffs „Wehe“ werde ich das Wort „Welle“ benutzen.

Bereits recht früh in meinem Leben war mir klar, dass ich, so ich denn eines Tages ein Kind bekommen sollte, diesem Kind eine schwierige, laute und angsterfüllende Geburt ersparen würde. Ich setzte mich mit diesem Thema während meiner Schwangerschaft intensiv auseinander und suchte nach Wegen für eine sanfte Geburt unseres Sohnes.
So fand ich recht schnell Frédéric Leboyer, der ein Verfechter der sanften Geburt ist. Nach diesen Maßstäben wollte ich unseren Sohn nach seiner Geburt behandelt wissen. Wie es der Zufall wollte, stieß ich bei meiner Recherche auch auf das Buch „HypnoBirthing“. Bereits einen Tag später hatte ich das Werk gelesen und meinem Mann unter die Nase gehalten.
Wir besuchten begeistert den Vorbereitungskurs (danke Petra!) und warteten ungeduldig auf unseren Kleinen.
Nun wollte sich unser Sohn leider nicht drehen und verharrte bis zum Schluss in seiner favorisierten Lage, Popo voran. Ich hoffte bis zur letzten Minute auf eine Drehung, kämpfte jedoch nicht mit allen Mitteln darum, sondern vertraute unserem Sohn, dass er schon das für ihn richtige tun würde.

Am Tag der Geburt kam Heiko zum Glück früh nach Hause. Ich saß über meinen Checklisten für die Geburt (morgen wollte ich Koffer packen und übermorgen dann die letzten Papierstapel vom Schreibtisch wegarbeiten) und freute mich, meinen Mann zu sehen. Es sollte Pommes und ein lustiges Gespräch zum Abendessen geben. Ganz kurz rannte ich noch einmal (zum gefühlten hundertsten Mal an diesem Tag) zur Toilette – und kam nicht wieder. Mit einem zittrigen „Schatz“ rief ich Heiko. Der lugte vorsichtig ins Bad.


„Was ist?“ konnte ich genauso zittrig hören. Nun gab es kein Zurück mehr – die Fruchtblase hatte sich geöffnet, wir würden aller Voraussicht nach morgen Eltern sein. „Was machen wir denn jetzt?“ ließ sich von Heiko vernehmen. „Den Gipsabdruck. Den können wir wohl morgen nicht mehr machen“, kam meine grinsende Antwort. Er konnte es nicht fassen, ich hatte Spaß. So saß ich leicht tropfend auf dem Badewannenrand während mein Mann mich mit den Gipsbinden einwickelte. Den Bauch mussten wir schließlich noch irgendwie bewahren! Als der Abdruck fertig war, sah ich aus wie ein kleines Ferkel, unser Bad war über und über mit weißen Tupfen besprenkelt (wir hatten es nicht mehr geschafft, ordnungsgemäß alles mit Zeitung auszulegen) und Heiko jonglierte vorsichtig meinen Bauchabdruck irgendwo hin, wo er am wenigsten gefährdet war. So wie ich aussah, war eine Geburt undenkbar, also nahm ich erst mal eine warme Dusche. Als ich fertig war, rief ich grinsend unsere Hebamme (danke Chris!) an. „Kannst kommen, Fruchtblase offen, Gipsabdruck fertig.“ Zugegeben, sie war ein wenig irritiert aber doch recht gefasst.

Chris kam, kontrollierte die Lage und die Herztöne des Kindes und entschied: Steißlage, wir fahren in die Klinik.
Wollte ich nicht hören und fügte mich trotzdem. Ein wenig schade war es um den Geburtspool, der seit Wochen bei uns im Wohnzimmer stand. Und ein wenig doof war es, dass Kofferpacken erst für den nächsten Tag auf der Checkliste stand. Ich watschelte mit dicken Einlagen in der Netzhose (sexy ist anders) durch die Wohnung und befüllte in Windeseile gemeinsam mit Heiko die Koffer im Wohnzimmer. Chris grinste als sie die Mengen sah und trank lachend ihren Tee. Heiko füllten wir noch rasch mit ein paar Pommes ab, damit er die Nacht gut überstehen würde. Ich selbst hatte keinen rechten Hunger.
Die ab und an kommenden Wellen nahm ich mit einem Lächeln an die Treppe gelehnt entgegen und atmete einfach mit. Es war alles in allem eine ruhige, geschäftige und fröhliche Atmosphäre, die wir da hatten und eine Menge Spaß war auch dabei.

Circa 4 Stunden nachdem die Fruchtblase sich geöffnet und ich ganz entspannt vor mich hin gelächelt hatte, war der Muttermund auch schon bei 7 Zentimetern angekommen und Chris drängte zum Aufbruch. Auf der Fahrt ins Krankenhaus informierte ich noch meine Familie per Telefon, dass sie am nächsten Tag Großeltern sein würden. Heiko musste Gas geben weil ich überzeugt war, der Kleine würde uns noch auf der kurzen Fahrt im Auto überraschen, so sehr drückte er nach unten. Ich atmete mit den Wellen mit und freute mich, bald unseren Sohn im Arm halten zu können.
Im Krankenhaus nahmen wir nur den Laptop und die Papiere mit – die Koffer wollten wir später holen.
Chris brachte uns in den Kreißsaal und blieb ganz lieb bei uns. Ich machte es mir auf einer Gymnastikmatte auf dem Boden gemütlich, lehnte mich entspannt über einen großen Ball, während Heiko sich zu meiner Rechten und Chris sich zu meiner Linken niederließen.

Die Wellen wurden langsam stärker und mit ihnen der Druck des Kindes. Bei jeder Welle drückte ich Heikos Hand, Bein, Arm, was auch immer gerade da war, während er mir ruhig die Entspannungsübungen einflüsterte, mich wahlweise massierte oder mir etwas zu Trinken reichte. Chris half von links mit ruhigen Anweisungen, wie ich atmen sollte.
Nach einer Weile kamen die richtigen Geburtswellen und Chris übergab an das Krankenhausteam. Leise verabschiedete sie sich, während die Klinikhebamme sich zu uns setzte.
Der Druck in meinem Unterleib nahm zu und ich spürte, wie das Baby sich den Weg in Richtung Welt bahnte. Er wurde tatsächlich mit dem Po voran geboren. Die Ärzte und Hebammen in der Filderklinik machten hier wirklich einen großartigen Job!

Heiko, unser Sohn und ich waren das perfekte Team und wenige Augenblicke nachdem er geboren war, durften wir unseren kleinen Schatz in den Armen halten.
Die kleinen Kulleraugen blickten uns groß an und wir sahen in ihnen die Weisheit der ganzen Welt leuchten.
Gierig saugte er an meiner Brust, trank glücklich seine erste Milch und wir verlebten 2 wunderbare Stunden in Ruhe im Kreißsaal. Als wir diese ersten gemeinsamen Momente hatten genießen dürfen, wurden wir in unser Familienzimmer gebracht, wo unser Sohn seine erste Nacht auf Papas Brust mit dem Ohr an seinem Herzen verbrachte. Die beiden schliefen selig bis das Frühstück geliefert wurde.
Nur ich konnte nicht schlafen – ich nutzte die Zeit, um mein ganzes Glück, meine zwei Männer, beim Schlafen zu betrachten.

Und ja Chris, wir behalten den Pool – denn nächstes Mal klappt’s mit der Hausgeburt!

Unsere kleine Maus ist da (2016)

Ja, es hat geklappt!

Heute erzähle ich Euch, dass unsere kleine Tochter im August 2016 bei uns daheim im Geburtspool ganz friedlich in die Welt gerutscht ist.

Bereits am Samstag bin ich meinem Mann mit dem Satz “ Das drückt so nach unten“ ein wenig auf die Nerven gefallen. Irgendwann hat er dann mal die Zeit gestoppt, wie oft ich diesen Satz sage und kam zu folgendem präzisen Ergebnis: „Weiß jetzt auch nicht, so rein nach der Zeit könnten das Wellen sein oder?“
Ich hab ja leider auch keine Ahnung, weil jede Geburt einfach anders ist. Im Nachhinein wussten wir dann: es waren Wellen, nur hat es keiner gemerkt.

Am Sonntag früh dann saß ich gerade mit unserem Sohn am Boden und wir wollten mit seinen Autos spielen, als es einen heftig lauten Knall gab und sich mein Bauch anfühlte, als hätte mir jemand hineingetreten. Ich dachte erst, draußen hätte jemand etwas fallen lassen oder eine Tür zugeknallt oder so. Dann kam das dringende Bedürfnis, zur Toilette zu gehen und prompt war klar: die Fruchtblase war mit eben jenem lauten Knall aufgegangen.

Ab da ging es auch schon kräftig los. Die Wellen kamen sofort alle 3 Minuten und ich war bemüht, alle da hin zu organisieren, wo sie hin sollten. Oma wurde mit dem Taxi angefahren, Hebamme angerufen, Sohn rannte schreiend durchs Haus (aufgeregt, Hunger, müde, was auch immer), Mann sollte eigentlich den Pool füllen und meinen Ball zum ausruhen holte ich mir dann selbst aus dem Keller.

Meine Hebamme kam. Nach einer halben Stunde. Sie musste noch die Hunde baden, die waren so matschig vom Gassi gehen…
Ich MAG meine Hebamme sehr!!! Sie ist cool!

Dann kam die Hebammenschülerin und ich war gänzlich überfordert. Ab da übernahm dann Hebamme Chris das Kommando:
Oma wurde mit dem Sohn zum spazieren in den Wald geschickt, der Mann rauf zum Pool befüllen, die Schülerin durfte die Koffer hoch tragen und ich sollte einfach nur atmen. Machte ich dann auch, ist besser so.

Irgendwann lief ich dann mal so zwischen Schlafzimmer und Bad hin und her und war einen Blick in das Geburtszimmer mit dem Pool. Und ich sah? Meine Hebamme und die Schülerin, die mit allen zur Verfügung stehenden Handtüchern das Wasser aufwischten, das bereits den kompletten Boden (Parkett…) überflutet hatte. Meinem Mann war der Schlauch aus dem Pool gerutscht, er bekam es aber nicht mit, weil er im Bad war.
Ich hatte Spaß und musste einfach nur noch lachen – völlig absurd das alles!

Irgendwann saß ich dann im Pool und es dauerte nicht lange, da spürte ich, wie ein Köpfchen mächtig nach unten schob. Schmerzfrei geht anders aber es war in Ordnung – ich fühlte mich daheim mit so lieben Menschen um mich herum trotzdem wohl und kam klar.
Meine Hebamme gab mir super Anweisungen, wann ich schieben und wann ich eine Pause machen sollte und plötzlich rutschte der Kopf einfach heraus. Ich spürte deutlich, wie unser Baby sich herum drehte und in eine gute Position begab. Noch eine kleine Welle und schon schwamm unser wunderbares Baby vor mir im Pool.
So sanft, so friedlich war unsere Kleine in die Welt geglitten, es war unbeschreiblich!!!

Wir zogen nach einer Weile um ins Schlafzimmer. Die Plazenta kam schnell und problemlos. Wir informierten die Oma im Wald – sie kam mit dem Sohnemann gleich an und durfte die kleine Maus wiegen  – was hat sie gezittert vor Freude und Aufregung…

Insgesamt haben wir zweieinhalb Stunden gebraucht, bis unser kleiner Schatz auf der Welt war und es war mit weitem Abstand das allerschönste Erlebnis meines Lebens!!!!
Und nach 3 Minuten hätte ich am liebsten bereits die nächste Geburt erlebt, so schön war das!