Kapitel Acht: Bonus-Wissen für Profis

Als Eltern werdet ihr unheimlich viele Dinge hören, die „man“ so macht (wer ist denn bitte dieser „man“?).
Ihr werdet vieles hören, was schlicht falsch ist und ihr werdet lernen müssen, euren eigenen Weg zu finden.

Einige kleine Tipps möchte ich euch mit auf den Weg geben.

  • Tragen:
    Ein Baby will getragen sein. Es war neun Monate lang im Bauch und wurde dort getragen und genau das erwartet das Baby auch nach der Geburt. In den ersten drei Monaten seines Lebens ist das Baby noch unreif – unsere Kinder werden schlicht zu früh geboren, damit sie überhaupt durch das Becken der Mutter passen. Die ersten drei Monate braucht das Baby also, um noch zu reifen und in der Welt anzukommen. Und das gelingt am besten da, wo das Baby hingehört: im Tuch an Mamas Bauch gekuschelt. Da hat es die Haltung, die es gewohnt ist, hört den bekannten und beruhigenden Herzschlag der Mutter und ist nicht zu vielen Reizen der noch neuen und unbekannten Welt ausgesetzt.
  • Stillen:
    Wer sein Baby stillen will, sollte dies am besten nach dem Bedarf des Babys tun. Manche Kinder stillen alle paar Stunden, andere alle paar Minuten (Cluster-Feeding). Das Baby weiß am besten, was es braucht. In heißen Ländern stillen Babys beispielsweise alle 13,5 Minuten, weil sie so sicherstellen, dass sie genug Flüssigkeit bekommen. Und Babys stillen auch in der Nacht viel. Ein Baby stillt dabei im Schlaf. Es dockt quasi schlafend bei Mama an, holt sich seine Nahrung und dockt dann im Schlaf wieder ab. Daher sagen wir in der Stillberatung auch: „Nur gestillt ist durchgeschlafen.“ Bedeutet: ein Baby, das in der Nacht nur stillt und nicht schreiend durch das Bett tobt, gilt als ein Baby, das durchschläft. Übrigens empfiehlt die WHO eine Stilldauer von zwei Jahren. Diese kann auch länger dauern, wenn darüber hinaus Mutter und Kind noch weiterstillen wollen.
    Ab dem sechsten Lebensmonat kann ein Baby dann auch schon andere Nahrung als Muttermilch ZUSÄTZLICH zu sich nehmen. Doch gerade in dieser wichtigen Phase schützt dann die Muttermilch den Magen und die gesamte Gesundheit des Babys. Lass dich also nicht wegen der Stilldauer von anderen verrückt machen!
    Du kannst dein Kind stillen, solange es sich für dich und dein Kind gut anfühlt!
  • Schlafen:
    Unsere Babys brauchen dringend den Körperkontakt zur Mama (oder zum Papa), um gut schlafen zu können. Ein Baby weiß nicht, dass es im heimischen Bett sicher vor bösen Säbelzahntigern ist und dass es nicht verhungern oder erfrieren wird. Das Baby kuschelt sich an die Mama und wärmt sich dort. Das Baby dreht sich im Schlaf suchend zu Mamas Brust und stillt dann ganz ruhig im Schlaf. Ein faszinierender Trick der Natur: die Schlafrhythmen von Mutter und Kind passen sich aneinander an, so dass die Mama in der Regel schon wach wird, kurz bevor das Baby anfängt zu schmatzen und nach der Brust zu suchen. 
    Mütter, die mit ihrem Baby im Bett schlafen, schlafen in der Regel mehr und sind am Morgen erholter als Mütter, die nachts fünfmal aufstehen und ans Babybettchen gehen müssen. 
    Co-Sleeping oder auch einfach das Baby bei Mama im Bett, ist für viele Familien eine wunderbare Lösung.
  • Dreimonatskoliken: Kaum schreit ein Baby nach der Geburt, sagen alle: „Das sind die Dreimonatskoliken.“ Echt? Es gibt sie nicht! Es gibt keinen einzigen Beleg für die Existenz von Dreimonatskoliken. Interessanterweise haben auch nur unsere europäischen und teilweise auch amerikanische Babys unter diesem Phänomen zu leiden. In anderen Kulturen kennt man keine Dreimonatskoliken. Also lasst euch da nichts einreden!
    Vielleicht will das Baby einfach nicht in die Windel machen und weint deswegen und tut sich schwer. Oder das Baby will schlicht so getragen werden, wie es im Bauch auch getragen wurde und beruhigt sich in einem Tragetuch wundersamerweise sofort. Es gibt viele Gründe, warum ein Baby in der ersten Zeit nach der Geburt weint. Aber die Dreimonatskoliken sind es mit Sicherheit nicht.
  • KiSS: Ein Baby kann sich bei der Geburt, z.B. wenn diese sehr schnell ging, oder wenn ein Kaiserschnitt notwendig war, den Nackenwirbel verklemmen. Dies ist für das Baby schmerzhaft und kann viele Folgeerscheinungen haben. Ein Check beim Osteopathen nach der Geburt schadet daher keineswegs. Und wenn ihr den Verdacht auf ein KiSS habt, dann sucht euch einen entsprechenden Experten. Hierfür gibt es im Internet entsprechende Listen mit speziell dafür ausgebildeten Physiotherapeuten.

Es gibt natürlich noch Vieles mehr, was ihr bezüglich eurer Elternschaft und eures Kindes zu hören bekommen werdet. Wichtig ist jedoch immer: Findet euren eigenen Weg!

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